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Equisetum arvense L. Equisetaceae, Schachtelhalme
Equisetales - Schachtelhalme
Deutsche Namen auch Ackerschaftheu, Bandwisch, Fegkraut, Kandelkraut, Kandelwisch, Katzenrocken, Katzenschwanz, Katzenstert, Negenknee, Rug, Rugen, Rugstert, Schabrausch, Schäfzenheu, Schaftelen, Scharprisch, Schnagt, Scheuergras, Unnet, Unger, Zinngras, Zinnheu
Eine mehrjährige, krautige Pflanze mit charakteristischen Stengeln, die aus einzelnen Segmenten bestehen. Diese sind wirtelig verzweigt und lassen sich ineinanderstecken, woher der Name Schachtelhalm rührt.
Im zeitigen Frühjahr treibt die Pflanze die fruchtbaren sporentragenden Sprossen, ihnen folgen im Sommer die grünen Stengel mit ihren Astquirlen. Diese erinnerten die alten Griechen an einen Pferdeschwanz und sie nannten die Pflanze Hippuris (SIEG, 109).
Außer durch Sporen vermehrt sich der bis 40 cm hohe Schachtelhalm durch Ausläuferbildung (Rhizom-Geophyt), wobei diese Sproßachsen in eine Tiefe von bis zu 6 Metern vordringen können. Zur Stabilisierung lagert die Pflanze Kieselsäure ein. Am liebsten wächst sie auf lehmigen, feuchten Standorten, gern auf entsprechenden Ruderalflächen, zum Beispiel Wegrändern oder Schuttplätzen (DÜLL u. KUTZELNIGG, 172f.).
Den hohen Gehalt an Kieselsäure (bis 7%) des Schachtelhalms machte man sich beim Putzen von metallenem Geschirr zunutze (Zinnkraut).
Das früher als Herba Equseti arvensis offizinelle Kraut gilt auch als gutes Mittel bei Tuberkulose, zur Stärkung von Haar (als Extrakt), Nägeln und Zähnen, zum Treiben des Harns, auch die Haut straffen soll eingenommener Zinnkrautsaft.
Der frische Saft wirkt außerdem blutstillend, getrocknetes Pulver geschnupft gegen Nasenbluten (LOSCH, 6).
Mit Petroleum gemischter Zinnkrauttee wird auch als Mittel gegen die Nissen bei Kopflausbefall eingesetzt. Mit erkaltetem Zinnkrautsud werden Wunden gewaschen, besonders nach Entfernung von Furunkeln, Sitzbäder mit Zinnkraut und Eichenrinde setzt man gegen nächtliche Blasenschwäche ein, wohl wegen der zusammenziehenden Eigenschaft des Zinnkrauts. (FRIEDL, 46, 61 u. 107)
Besonders Pfarrer Kneipp rühmte die Heilkraft des Zinnkrauts. Er empfahl es bei faulenden Wunden, selbst krebsartigen Geschwüren, sogar bei Beinfraß dient Zinnkraut in außerordentlicher Weise. Es wäscht aus, löst auf, brennt gleichsam das Schadhafte weg (SIEG, 110). Neben Umschlägen empfahl Kneipp auch die Anwendung im Dampfbad. (ebd.)
Wasser, in dem Ackerschachtelhalm gekocht wurde, weist einen hohen Gehalt an Vitamin C auf. Gegessen werden die Ährenkolben der sporentragenden Stengel und die jungen, rosavioletten Stengel. Gesammelt wird im zeitigen Frühjahr, wenn zuerst die Fruchtstengel erscheinen, ehe im Sommer die grünen Wedel wachsen. Verwendung finden die Ährenkolben für Suppen, Füllungen, Salate, Omelette und Aufläufe (KOSCHTSCHEJEW, 12).
Zur Gewinnung des Saftes wird das frische Kraut grob gehackt oder gerupft, einige Minuten in kaltem Wasser eingeweicht und das ganze durch ein Tuch gepresst.
Ein Rezept für Ackerschachtelhalmauflauf
100 g Ackerschachtelhalmkolben
100 g Kartoffeln
1/4 l Milch
1 Ei
10 g Butter
Salz
Die vorbereiteten Ackerschachtelhalmkolben zerkleinern, Kartoffelpüree und ein Ei-Milch-Gemisch hinzufügen, salzen, mischen und in der Röhre backen. (nach KOSCHTSCHEJEW, 121)
Eine andere Art des Schachtelhalms, der Sumpf-Schachtelheim (E. palustre L.), der nasse Standorte bevorzugt, wirkt auf Pflanzenfresser stark giftig. Wenn auch beim Menschen keine Vergiftungen bekannt sind, so schadet im Heu enthaltener Sumpf-Schachtelheim noch nach Jahren Rinder und Pferde und kann zu tödlichen Vergiftungen führen (DÜLL u. KUTZELNIGG, 173f.).